Krach in der Koalition: Die geplante Novelle des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) entzweit die Regierungspartner. Angeführt von der Abgeordneten Carmen Wegge, stellt sich die SPD-Fraktion quer und kündigt an, den Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums „unter keinen Umständen“ in seiner jetzigen Form mitzutragen.
Rückschritt für die Reform? Darum geht es
Das Medizinal-Cannabisgesetz ist selbst noch jung. Es war der erste Schritt der großen Cannabis-Reform und holte Medizinalhanf aus dem strengen Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Seitdem ist die Verschreibung für Ärzte und der Zugang für Patienten einfacher geworden, insbesondere durch den Aufstieg von Telemedizin und spezialisierten Online-Plattformen. Eine Übersicht über alle legalen Bezugswege finden Sie hier.
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Jetzt Patient werden →Die geplanten Verschärfungen im Detail
Der Referentenentwurf aus dem Haus von Gesundheitsministerin Warken (CDU) zielt auf zwei zentrale Punkte:
- Ende der Telemedizin: Ein Rezept für Medizinalcannabis soll es nur noch nach einem persönlichen Arztbesuch geben. Das würde die Möglichkeiten der Telemedizin für Cannabispatienten massiv beschneiden.
- Aus für Online-Apotheken: Der Versandhandel mit Cannabisblüten und -extrakten soll komplett verboten werden.
Das Ministerium begründet diesen Schritt mit gestiegenen Cannabis-Importen. Ursache dafür seien, so die Argumentation, vor allem Privatrezepte, die über telemedizinische Dienste ohne direkten Arztkontakt ausgestellt werden.
Der Widerstand aus der SPD
Auf der Plattform Abgeordnetenwatch formulierte Carmen Wegge den Widerstand ihrer Fraktion unmissverständlich: Die SPD lehnt den Entwurf ab. Ihre Kernargumente:
- Versorgung sicherstellen: Patientenschutz bedeutet für die SPD vor allem einen einfachen Zugang – und der müsse barrierefrei, wohnortnah und eben auch digital sein.
- Stadt-Land-Gefälle: Telemedizin sei gerade für chronisch kranke Menschen im ländlichen Raum mit wenigen Fachärzten eine unverzichtbare Alternative.
- Digitalisierung nicht zurückdrehen: Eine digitale Betreuung sei Standard im modernen Gesundheitswesen und könne nicht für einen einzelnen Bereich einfach wieder abgeschafft werden.
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Jetzt Patient werden →Breiter Protest: Petition sammelt über 58.000 Stimmen
Auch außerhalb des Parlaments formiert sich Widerstand. Eine Online-Petition gegen die Gesetzespläne zählt bereits über 58.000 Unterzeichner. Die Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestags machte die tiefen Gräben innerhalb der Koalition sichtbar: Zwischen den Positionen von Union und SPD klafft eine Lücke. Was das KCanG seit seiner Einführung regelt, erläutert unser KCanG-Guide.
Wie könnte ein Kompromiss aussehen?
Die SPD-Fraktion will nun in den parlamentarischen Verhandlungen versuchen, die schärfsten Kanten des Entwurfs abzuschleifen. Im Raum stehen folgende Kompromisslinien:
- Regulieren statt verbieten: Anstelle eines pauschalen Verbots könnten klare Qualitätsstandards für die Telemedizin eingeführt werden.
- Hybrid-Modell: Ein persönlicher Arzttermin wäre nur für die Erstverschreibung obligatorisch, Folgerezepte könnten digital ausgestellt werden.
- Plattformen in die Pflicht nehmen: Die Regulierung könnte sich auf die Anbieter der Online-Plattformen konzentrieren, anstatt den Versandhandel gänzlich zu untersagen.
Was bedeutet das für Patienten?
Für Patienten, die ihre Rezepte derzeit über Telemedizin-Anbieter beziehen, ändert sich vorerst nichts. Das Gesetz ist noch in der Schwebe. Der Widerstand der SPD macht ein Inkrafttreten in der geplanten Form sehr unwahrscheinlich. Dennoch bleibt die Lage fragil; die politische Debatte entscheidet über die Zukunft der Versorgung.
Ausblick: Ein politischer Teilerfolg
Das Veto der SPD verschafft Cannabispatienten eine Atempause und verhindert vorerst die drohenden Einschränkungen. Die Debatte ist damit aber nicht beendet – sie hat nur erneut gezeigt, wie umkämpft der politische Boden für Medizinalcannabis bleibt. Für die weitere Bewertung werden Daten entscheidend sein, wie sie etwa der EKOCAN-Zwischenbericht 2026 liefern soll. Auch die geplanten CanG-2.0-Änderungen werden vor diesem Hintergrund neu verhandelt werden müssen. Bis dahin können sich Patienten weiter über Cannabis-Sorten informieren oder den Produkt-Finder nutzen.


