Während die Schweiz mit wissenschaftlich begleiteten Modellprojekten den regulierten Cannabis-Verkauf erprobt — allen voran das von der Sanity Group betriebene "Grashaus Projects" in Baselland — steckt die Forschung in Deutschland fest. Die Behörde lehnt ab, die Politik streitet. Doch ausgerechnet der CDU-Drogenbeauftragte Hendrik Streeck bringt die Pilotprojekte jetzt zurück auf die Agenda.
Das Schweizer Modell: Forschung statt Verbot
Die Schweiz geht einen pragmatischen Weg: Seit der Gesetzesänderung 2021 erlaubt der "Experimentierartikel" im Betäubungsmittelgesetz wissenschaftliche Pilotversuche zum legalen Cannabis-Verkauf an Erwachsene. Mehrere Städte und Kantone — Basel, Zürich, Bern, Lausanne, Genf — haben Studien aufgesetzt, die jeweils tausende Teilnehmer umfassen und vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) genehmigt werden.
Im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit steht das Grashaus Projects in Basel-Landschaft, betrieben von der deutschen Sanity Group in Kooperation mit Schweizer Partnern und wissenschaftlich begleitet von der Universität Basel. In lizenzierten Fachgeschäften erhalten registrierte Studienteilnehmer Schweizer Bio-Cannabis mit transparenter Wirkstoff-Deklaration, qualifizierter Beratung und kontrollierter Abgabemenge.
Warum die Schweiz vorlegt
- Klare Rechtsgrundlage: Der Experimentierartikel im BetmG erlaubt befristete, wissenschaftlich evaluierte Pilotversuche.
- Föderaler Wettbewerb: Kantone und Städte können eigene Modelle entwickeln und Erfahrungen sammeln.
- Wissenschaft im Zentrum: Universitäten begleiten den Konsum, das Konsumverhalten und die Auswirkungen auf den Schwarzmarkt.
- Politische Offenheit: Die Mehrheit der Kommission im Nationalrat (SGK-N) strebt eine spätere Volllegalisierung mit Fachgeschäften an.
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Jetzt Patient werden →Deutschland: Säule 1 ja, Säule 2 nein
Das deutsche Cannabisgesetz (CanG) der Ampel-Koalition war von Anfang an nur die halbe Miete. Karl Lauterbach hatte das Vorhaben bewusst in zwei Säulen aufgeteilt:
- Säule 1: Eigenanbau, Cannabis Social Clubs, kontrollierte Abgabe in Vereinen — beschlossen und seit April 2024 in Kraft.
- Säule 2: Wissenschaftlich begleitete Modellprojekte für den lizenzierten Fachhandel in ausgewählten Kommunen — nie verabschiedet.
Säule 2 sollte genau das ermöglichen, was die Schweiz bereits praktiziert: regulierter Verkauf an Erwachsene unter staatlicher Aufsicht, wissenschaftlich evaluiert. Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand innerhalb der Ampel und am Bruch der Koalition. Übrig blieb ein politisch ungeliebter Kompromiss — und die EKOCAN-Evaluation, die den Social Clubs bisher kein gutes Zeugnis ausstellt.
Die Forschungs-Verordnung: Özdemir öffnet ein Hintertürchen
Was viele übersehen: Bereits in Säule 1 wurde eine Forschungsklausel verankert (§ 2 Abs. 4 KCanG). Sie erlaubt wissenschaftliche Vorhaben zum Cannabis-Anbau und ‑Vertrieb außerhalb des regulären Rahmens. Der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) setzte hierfür im Sommer 2024 die Konsumcannabisforschungsverordnung (KCanForschV) in Kraft.
Zuständige Genehmigungsbehörde wurde die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Damit gab es plötzlich doch eine rechtliche Grundlage, ähnlich wie in der Schweiz Modellprojekte aufzusetzen — auf dem Umweg über die Forschung. Mehrere Kommunen, Universitäten und Unternehmen — darunter erneut die Sanity Group — reichten Anträge ein.
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Jetzt Patient werden →BLE: Alle Bewerbungen abgelehnt
Die Hoffnung währte kurz. Die BLE lehnte sämtliche eingereichten Anträge ab. Die Begründungen variierten — von angeblich unzureichenden Sicherheitskonzepten bis hin zu zweifelhaften wissenschaftlichen Designs. Antragsteller und Beobachter sehen darin einen klar politischen Schritt: Die im Mai 2025 angetretene schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz steht der Cannabis-Liberalisierung skeptisch gegenüber. Die nachgeordnete Behörde habe — so der Vorwurf — entsprechend restriktiv ausgelegt.
Faktisch bedeutet das: Die Forschungs-Verordnung existiert auf dem Papier, ist aber in der Praxis bislang ein totes Recht. Während in Basel die Studien laufen und Daten produzieren, kommt in Deutschland kein einziges Modellprojekt zustande.
Streeck (CDU): "Pilotprojekte sind sinnvoll"
Ausgerechnet aus den Reihen der Union kommt nun ein überraschend offener Ton: Hendrik Streeck, Virologe und seit 2025 Drogen- und Suchtbeauftragter der Bundesregierung, hat sich mehrfach für wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte ausgesprochen. Streeck argumentiert evidenzbasiert: Solange belastbare deutsche Daten fehlen, sei die Politik auf Vermutungen angewiesen — Modellversuche könnten genau diese Lücke schließen.
Damit positioniert sich Streeck gegen Teile seiner eigenen Partei — und insbesondere gegen Innenminister Alexander Dobrindt, der die Cannabis-Forschung zuletzt offen attackiert hat. Ob Streecks Linie sich durchsetzt, ist offen. Klar ist: Innerhalb der Union ist die Front gegen Pilotprojekte nicht mehr geschlossen.
Was Patienten und Konsumenten daraus ziehen können
Für die meisten Erwachsenen in Deutschland bleiben aktuell nur drei Wege: Eigenanbau, Cannabis Social Clubs (mit langen Wartelisten) — oder der medizinische Weg über ein Rezept. Die legalen Bezugswege haben wir im Guide ausführlich beschrieben. Wer aus medizinischen Gründen profitiert, findet eine Übersicht zu Telemedizin und Rezept-Plattformen sowie zu verfügbaren Sorten.
Fazit: Schweiz forscht, Deutschland blockiert — vorerst
Während die Schweiz mit Grashaus Projects und vergleichbaren Studien Daten sammelt, die in einen späteren regulierten Markt einfließen, blockiert sich Deutschland selbst: Säule 2 nie beschlossen, Forschungs-Verordnung in Kraft, aber alle Anträge abgelehnt. Das politische Klima ist rauer geworden — doch mit Hendrik Streeck gibt es zumindest eine Stimme aus der Regierung, die Modellprojekten eine zweite Chance geben will. Die internationalen Diskussionen auf EU-Ebene könnten zusätzlichen Druck aufbauen. Bis dahin gilt: Der Maßstab für regulierte Abgabe in Europa wird derzeit nicht in Berlin, sondern in Basel gesetzt.
Bis die Modellprojekte kommen, bleibt für Patient:innen der reguläre Weg über Apotheke und Rezept. Welche Sorte zu deinem Beschwerdebild passt, zeigt dir unser Produkt-Finder in drei kurzen Fragen.
While Switzerland is testing regulated cannabis sales with scientifically supervised pilot projects — most notably the "Grashaus Projects" in Baselland, operated by the Sanity Group — research in Germany is stalled. The authorities reject it, and politicians argue. But it is precisely the CDU's drug commissioner, Hendrik Streeck, who is now putting pilot projects back on the agenda.
The Swiss Model: Research Instead of Prohibition
Switzerland is taking a pragmatic approach: Since the legal amendment in 2021, the "Experimental Article" in the Narcotics Act permits scientific pilot trials for the legal sale of cannabis to adults. Several cities and cantons — Basel, Zurich, Bern, Lausanne, Geneva — have launched studies, each involving thousands of participants and approved by the Federal Office of Public Health (BAG).
At the center of international attention is the Grashaus Projects in Basel-Landschaft, operated by the German Sanity Group in cooperation with Swiss partners and scientifically supervised by the University of Basel. In licensed specialist shops, registered study participants receive Swiss organic cannabis with transparent active ingredient declarations, qualified advice, and controlled dispensing quantities.
Why Switzerland is leading the way
- Clear legal basis: The experimental article in the Narcotics Act allows for temporary, scientifically evaluated pilot trials.
- Federal competition: Cantons and cities can develop their own models and gain experience.
- Science at the center: Universities monitor consumption, consumption behavior, and the effects on the black market.
- Political openness: The majority of the National Council's commission (SGK-N) aims for full legalization with specialized shops later on.
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Become a patient now →Germany: Pillar 1 yes, Pillar 2 no
The German Cannabis Act (CanG) of the Ampel coalition was only half the battle from the start. Karl Lauterbach deliberately divided the project into two pillars:
- Pillar 1: Home cultivation, Cannabis Social Clubs, controlled distribution in associations — passed and in force since April 2024.
- Pillar 2: Scientifically supervised pilot projects for licensed specialist trade in selected municipalities — never passed.
Pillar 2 was intended to enable exactly what Switzerland is already practicing: regulated sales to adults under state supervision, scientifically evaluated. But the project failed due to resistance within the Ampel coalition and the breakup of the coalition. What remained was a politically unpopular compromise — and the EKOCAN evaluation, which has not yet given the Social Clubs a good report card.
The Research Ordinance: Özdemir opens a back door
What many overlook: A research clause (§ 2 Para. 4 KCanG) was already enshrined in Pillar 1. It permits scientific undertakings for cannabis cultivation and distribution outside the regular framework. The then Federal Minister of Food and Agriculture, Cem Özdemir (Greens), put the Cannabis for Consumption Research Ordinance (KCanForschV) into force for this purpose in summer 2024.
The competent approval authority became the Federal Agency for Agriculture and Food (BLE). This suddenly created a legal basis, similar to Switzerland, to set up pilot projects — via the detour of research. Several municipalities, universities, and companies — including the Sanity Group again — submitted applications.
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Become a patient now →BLE: All applications rejected
The hope was short-lived. The BLE rejected all submitted applications. The reasons varied — from allegedly inadequate security concepts to questionable scientific designs. Applicants and observers see this as a clear political move: The black-red federal government under Friedrich Merz, which took office in May 2025, is skeptical of cannabis liberalization. The subordinate authority, it is alleged, interpreted the regulations restrictively.
In practice, this means: The research ordinance exists on paper, but in practice, it is currently a dead letter. While studies are running and producing data in Basel, not a single pilot project is coming to fruition in Germany.
Streeck (CDU): "Pilot projects make sense"
Surprisingly, a remarkably open sentiment is now coming from within the Union's ranks: Hendrik Streeck, a virologist and since 2025 the federal government's drug and addiction commissioner, has repeatedly spoken out in favor of scientifically supervised pilot projects. Streeck argues based on evidence: As long as reliable German data are missing, politics is dependent on assumptions — pilot studies could close precisely this gap.
Streeck thus positions himself against parts of his own party — and especially against Interior Minister Alexander Dobrindt, who recently openly attacked cannabis research. Whether Streeck's line will prevail is open. What is clear: Within the Union, the front against pilot projects is no longer united.
What patients and consumers can take from this
For most adults in Germany, there are currently only three options: home cultivation, Cannabis Social Clubs (with long waiting lists) — or the medical route via a prescription. We have described the legal procurement methods in detail in the guide. Those who benefit for medical reasons can find an overview of telemedicine and prescription platforms as well as available strains.
Conclusion: Switzerland researches, Germany blocks — for now
While Switzerland is collecting data with Grashaus Projects and comparable studies that will feed into a later regulated market, Germany is blocking itself: Pillar 2 never approved, research ordinance in force, but all applications rejected. The political climate has become harsher — but with Hendrik Streeck, there is at least one voice from the government that wants to give pilot projects a second chance. International discussions at EU level could add further pressure. Until then: The standard for regulated dispensing in Europe is currently not set in Berlin, but in Basel.
Until the pilot projects arrive, the regular route via pharmacy and prescription remains for patients. Our Product Finder will show you in three short questions which strain suits your symptoms.


