Titelbild zum News-Artikel: Dobrindt vs. Wissenschaft: Wie der Innenminister den EKOCAN-Bericht diskreditiert — und die Forscher sich wehren
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    Dobrindt vs. Science: How the Interior Minister discredits the EKOCAN report — and the researchers fight back

    Redaktion
    ·10. April 2026
    Machine-translated from German. The original is the source of truth.

    PĂŒnktlich zum 1. April 2026 lag der zweite Zwischenbericht der EKOCAN-Evaluation vor. Auf ĂŒber 200 Seiten analysiert ein Forschungsverbund die Folgen der Cannabis-Teillegalisierung. Noch am selben Tag attackierte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Verfasser scharf: Der Bericht zeichne „ein vollkommen verzerrtes Bild der RealitĂ€t“. Die Wissenschaftler kontern – und werfen dem Minister vor, die Studie offenbar gar nicht erst gelesen zu haben.

    Was Dobrindt behauptet

    Der CSU-Politiker, der das Konsumcannabisgesetz bereits im Herbst 2025 als „richtiges Scheiß-Gesetz“ abkanzelte, wiederholte seine Fundamentalkritik. Er warf den EKOCAN-Forschern vor, Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden schlicht „außer Acht gelassen“ zu haben. Dass der Bericht die RealitĂ€t nicht abbilde, liege „ganz offensichtlich an der Methodik der Analyse“. Sein Fazit: Der Schwarzmarkt „boome“, das Gesetz sei ein „Rohrkrepierer“ und fördere die KriminalitĂ€t.

    Was im Bericht wirklich steht

    Ein Blick in den Bericht widerlegt Dobrindts Kernvorwurf unmittelbar. FĂŒr den EKOCAN-Zwischenbericht wurden Daten von mehr als 2.000 Kriminalbeamten erhoben und ĂŒber 20 Tiefeninterviews mit Experten aus Polizei, Staatsanwaltschaften und Zoll gefĂŒhrt. Die Perspektive der Sicherheitsbehörden fĂŒllt rund 70 der gut 200 Seiten. Von „Außerachtlassung“ kann also kaum die Rede sein.

    Dabei zeichnet die Studie keineswegs ein rosarotes Bild. Die Forscher stellen fest, dass die Sicherheitsbehörden mit dem neuen Gesetz ĂŒberwiegend unzufrieden sind. Die Strafverfolgung des illegalen Handels sei komplexer geworden. Aus diesem Grund empfehlen die Wissenschaftler explizit, die Ermittlungsbehörden zu stĂ€rken, etwa bei verdeckten Operationen.

    Scharfe Replik aus der Wissenschaft

    Prof. Dr. Jörg Kinzig, Direktor des Instituts fĂŒr Kriminologie an der UniversitĂ€t TĂŒbingen und Leiter des juristischen Teils der Evaluation, reagierte mit fĂŒr einen Wissenschaftler ungewöhnlich deutlichen Worten. Die VorwĂŒrfe seien „vollkommen aus der Luft gegriffen“ und in ihrer SchĂ€rfe „völlig unangemessen“.

    „Da sitzen immerhin drei UniversitĂ€ten mit sehr vielen Fachleuten daran, einen Bericht ganz neutral auf wissenschaftlicher Grundlage abzuliefern. Und wenn dann so ein Bericht in Bausch und Bogen von politischen KrĂ€ften verdammt wird, dann ist es fĂŒr uns in der Wissenschaft natĂŒrlich enttĂ€uschend.“

    — Prof. Dr. Jörg Kinzig, UniversitĂ€t TĂŒbingen

    Kinzig legte Dobrindt nahe, den Bericht tatsĂ€chlich zu lesen – zumindest die Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel „dĂŒrften genĂŒgen“. Dass der Minister den Bericht nicht gelesen habe, „muss man annehmen“.

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    Das Argument der Rekord-Sicherstellungen

    Dobrindt stĂŒtzt seine These vom „boomenden Schwarzmarkt“ vor allem auf die Rekordmengen an Cannabis, die der Zoll 2025 sichergestellt hat. Die EKOCAN-Forscher haben genau diese Zahlen analysiert und warnen vor voreiligen SchlĂŒssen:

    • Auch in NachbarlĂ€ndern ohne Teillegalisierung wie den Niederlanden, Belgien, DĂ€nemark, Finnland, Norwegen, Österreich und Spanien stiegen die Sicherstellungsmengen im selben Zeitraum massiv an.
    • Ein Großteil der Ware stammt aus LĂ€ndern, die vor Deutschland legalisiert haben, wie die USA, Kanada und Thailand. Illegale Produzenten mit ÜberkapazitĂ€ten drĂ€ngen von dort auf den europĂ€ischen Markt.
    • Höhere Sicherstellungsquoten können ebenso ein Ergebnis intensivierter Kontrollen sein und mĂŒssen nicht zwangslĂ€ufig ein Wachstum des Schwarzmarktes bedeuten.

    Zudem belegen mehrere Bevölkerungsbefragungen und ein Abwassermonitoring in 15 deutschen StĂ€dten: Der Cannabiskonsum ist seit der Legalisierung allenfalls leicht gestiegen. Von einem „Boom“ kann keine Rede sein. Eine detaillierte Aufbereitung der Daten finden Sie in unserem EKOCAN-Artikel.

    Wenn Politik Wissenschaft diskreditiert

    Der Konflikt reicht weit ĂŒber die Cannabis-Debatte hinaus. Er offenbart ein gestörtes VerhĂ€ltnis zwischen politischem Willen und wissenschaftlicher Evidenz. Ein Bundesminister attackiert die Methodik eines unabhĂ€ngigen Forschungsverbunds dreier UniversitĂ€ten – allem Anschein nach, ohne deren 200-seitige Studie gelesen zu haben. Die pauschale Ablehnung der Union stand ohnehin fest. Als die Ergebnisse nicht ins Narrativ passten, wurde nicht die Position, sondern der Überbringer der Nachricht angegriffen.

    Kinzig selbst zog eine bemerkenswerte Parallele: „Wohin eine derartige Abwertung wissenschaftlicher Arbeit fĂŒhren kann, lĂ€sst sich derzeit auf der anderen Seite des Atlantiks beobachten.“ Ein deutlicher Verweis auf die systematische Unterminierung wissenschaftlicher Institutionen in den USA.

    Evidenzbasierte Politik kann nur gelingen, wenn Fakten akzeptiert werden – auch jene, die der eigenen Agenda widersprechen. Das Konsumcannabisgesetz schreibt eine unabhĂ€ngige Evaluation gesetzlich vor, genau damit Entscheidungen auf Daten fußen, nicht auf BauchgefĂŒhl. Wer diesen Mechanismus derart frontal angreift, schadet nicht nur der Debatte um Cannabis, sondern dem Prinzip der wissenschaftsbasierten Gesetzgebung an sich.

    Die Forscher machen weiter

    Trotz der politischen QuerschĂŒsse zeigt sich der Forschungsverbund unbeeindruckt. „NatĂŒrlich machen wir weiter“, bekrĂ€ftigt Kinzig. „Wir haben einen Auftrag, der im Gesetz verankert ist, der noch zwei Jahre dauert. Das braucht man auch.“ Der Abschlussbericht wird fĂŒr April 2028 erwartet. Belastbare Empfehlungen zur organisierten KriminalitĂ€t, so die Forscher, seien ohnehin erst dann möglich.

    Bis dahin wird sich zeigen, ob die Politik gelernt hat, zwischen unbequemen Ergebnissen und vermeintlich schlechter Forschung zu unterscheiden. Die populÀrsten Behauptungen rund ums Gras ordnen wir in unserem Mythen-Faktencheck wissenschaftlich ein. Was das KCanG konkret erlaubt, erklÀren wir im KCanG-Guide.

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    Exactly on April 1, 2026, the second interim report of the EKOCAN evaluation was published. Over 200 pages, a research consortium analyzes the consequences of partial cannabis legalization. On the same day, Federal Minister of the Interior Alexander Dobrindt (CSU) sharply criticized the authors: The report painted “a completely distorted picture of reality.” The scientists countered - and accused the minister of apparently not even having read the study.

    What Dobrindt claims

    The CSU politician, who had already dismissed the Cannabis Consumption Act as a "real shit-law" in autumn 2025, reiterated his fundamental criticism. He accused the EKOCAN researchers of simply having "disregarded" the findings of the security authorities. That the report did not reflect reality was "quite obviously due to the methodology of the analysis". His conclusion: the black market was "booming", the law was a "dud" and promoted crime.

    What the report actually says

    A look at the report directly refutes Dobrindt's core accusation. For the EKOCAN interim report, data from more than 2,000 criminal police officers were collected and over 20 in-depth interviews were conducted with experts from the police, public prosecutor's offices, and customs. The perspective of the security authorities fills approximately 70 of the good 200 pages. Thus, there can hardly be any talk of "disregard."

    However, the study by no means paints a rosy picture. The researchers note that the security authorities are largely dissatisfied with the new law. The prosecution of illegal trade has become more complex. For this reason, the scientists explicitly recommend strengthening the investigative authorities, for example in undercover operations.

    Sharp rebuttal from science

    Prof. Dr. Jörg Kinzig, Director of the Institute of Criminology at the University of TĂŒbingen and head of the legal part of the evaluation, reacted with unusually clear words for a scientist. The accusations were "completely unfounded" and "utterly inappropriate" in their sharpness.

    "There are, after all, three universities with a great many experts working on delivering a report entirely neutrally on a scientific basis. And if such a report is then condemned lock, stock and barrel by political forces, then it is, of course, disappointing for us in science."

    — Prof. Dr. Jörg Kinzig, University of TĂŒbingen

    Kinzig suggested Dobrindt actually read the report – at least the summaries of the individual chapters "should suffice". That the minister had not read the report, "one must assume".

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    The argument of record seizures

    Dobrindt bases his thesis of a "booming black market" primarily on the record amounts of cannabis seized by customs in 2025. The EKOCAN researchers analyzed precisely these figures and warn against premature conclusions:

    • Even in neighboring countries without partial legalization, such as the Netherlands, Belgium, Denmark, Finland, Norway, Austria, and Spain, seizure quantities rose massively during the same period.
    • A large portion of the goods originated from countries that legalized before Germany, such as the USA, Canada, and Thailand. Illegal producers with excess capacities are pushing their products from there into the European market.
    • Higher seizure rates can also be a result of intensified controls and do not necessarily imply a growth of the black market.

    Furthermore, several population surveys and a wastewater monitoring in 15 German cities prove that cannabis consumption has at most slightly increased since legalization. There can be no talk of a "boom". A detailed analysis of the data can be found in our EKOCAN article.

    When politics discredits science

    The conflict extends far beyond the cannabis debate. It reveals a disturbed relationship between political will and scientific evidence. A federal minister attacks the methodology of an independent research consortium of three universities – apparently without having read their 200-page study. The blanket rejection by the Union was already firm anyway. When the results did not fit the narrative, it was not the position that was attacked, but the messenger.

    Kinzig himself drew a remarkable parallel: "Where such a devaluation of scientific work can lead is currently being observed on the other side of the Atlantic." A clear reference to the systematic undermining of scientific institutions in the USA.

    Evidence-based policy can only succeed if facts are accepted – even those that contradict one's own agenda. The Cannabis Consumption Act legally mandates an independent evaluation precisely so that decisions are based on data, not gut feeling. Anyone who attacks this mechanism so directly harms not only the debate about cannabis but the principle of science-based legislation itself.

    The researchers continue

    Despite the political cross-fire, the research consortium remains unfazed. "Of course, we're continuing," Kinzig affirms. "We have a mandate, anchored in law, that still lasts two years. That's also necessary." The final report is expected in April 2028. Reliable recommendations on organized crime, according to the researchers, will only be possible then.

    Until then, it remains to be seen whether politicians have learned to distinguish between inconvenient results and supposedly poor research. We scientifically classify the most popular claims about weed in our myth fact-check. What the KCanG specifically permits is explained in the KCanG-Guide.

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